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Aktive Bürger =
Starke Kommunen

In den letzten Jahren ist in Hessen ein beispielhaftes Netz von bürgerschaftlichen Initiativen entstanden. In Zeiten immer knapper werdender öffentlicher Haushaltsmittel haben die Bürgerinnen und Bürger die Notwendigkeit erkannt, in ihrer Kommune selbst "mit anzupacken".
In Hessen sind rund 2 Millionen Menschen ehrenamtlich tätig. Neben der freiwilligen Feuerwehr engagieren sich die Bürgerinnen und Bürger in Vereinen und Organisationen im sozialen, kulturellen und sportlichen Bereich. Viele Menschen wollen sich allerdings nicht mehr in fest gefügten Strukturen engagieren. Sie wollen vielmehr punktuell und auf Zeit mitarbeiten.
Der Hessische Städte- und Gemeindebund möchte das in den Mitgliedskommunen bereits vorhandene bürgerschaftliche Engagement bekannt machen und den Anstoß, aber auch Unterstützung geben, dass in möglichst vielen Gemeinden und Städten der freiwillige Einsatz der Bürger gefördert wird.

Aktive Bürger

Ehrenamtliches Engagement für Eltville

Eltville am Rhein ist die größte Stadt im Rheingau. Die Stadt ist beliebt bei Touristen und überregional bekannt für die Produktion von Wein und Sekt, der in den zahlreichen Weingütern und Straußwirtschaften angeboten wird.

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Prägend für das Städtchen am Rhein sind auch die zahlreichen Rosengärten, darum gehört Eltville zu den zehn sogenannten Rosenstädten in Deutschland. Die Wein-, Sekt- und Rosenstadt lebt in guter Nachbarschaft mit anderen Rheingaustädten. Schon frühzeitig hat man hier die Vorteile der interkommunalen Zusammenarbeit erkannt. So sind u.a. die Steuerämter und Stadtkassen der Städte Eltville, Geisenheim und Oestrich-Winkel zusammengeführt und die Kämmereien der Städte Eltville und Oestrich-Winkel. Diese Kooperationen führen zu Einsparungen, die Ressourcen frei machen für andere wichtige Anliegen der Stadt. So hat Eltville ein Büro für Stadtentwicklung, Kultur und Ehrenamt im Rathaus etabliert. Barbara Lilje, die diese Stelle leitet, ist Ansprechpartnerin für so unterschiedliche Aufgaben wie die Wirtschaftsförderung, die Verschwisterungsvereine, die Förderung sozialer Netzwerke, für das Kulturprogramm und wichtige gesellschaftliche Projekte in der Stadt.

 

„Ehrenamt sicher in die Zukunft“

Weit über 100 Vereine bieten in Eltville und in den Stadtteilen Erbach, Hattenheim, Martinstal und Rauental Sport, Freizeit, und Kultur an. Aber auch in einer Stadt mit einer reichen Ehrenamtskultur sind gesellschaftliche Veränderungen spürbar. Der Wunsch, sich für andere Menschen einzusetzen und einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten, nimmt in Umfragen nach wie vor einen vorderen Platz ein. Dennoch wollen viele nicht in verbindlichen Funktionen und Strukturen arbeiten, um vor allem zeitlich unabhängig zu bleiben. Die projektbezogene Mitwirkung in der Kommune entspricht diesem Trend. Hierbei wird ein zeitlich und/oder thematisch abgegrenztes Projekt von Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet und umgesetzt. Ein Beispiel für ein solches Projekt ist „Ehrenamt sicher in die Zukunft“. Hierbei werden Vereine in Eltville unterstützt, ihre Vorstände zu „modernisieren“ und die Funktionen in den ehrenamtlichen Organisationen so zu gestalten, dass sie für eine möglichst breite Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern attraktiv sind.

Eine Adresse für das Ehrenamt

Bürgerengagement hat in Eltville nicht nur eine Ansprechpartnerin im Rathaus sondern mit dem vom Bund geförderten Mehrgenerationenhaus eine wichtige Anlaufstelle in der Stadt. In der Gutenbergstraße, nicht weit weg vom Rathaus, ist der Trägerverein des Mehrgenerationenhauses, das Mütter- und Familienzentrum Eltville e.V. in einem vierstöckigen Gebäude untergebracht. Das Zentrum wurde im Sommer 1997 mit dem Ziel gegründet, Treffpunkt für Familien aus dem gesamten Rheingau zu sein. Neben Spielkreisen, offenen Treffs für Alleinerziehende, Schwangerschafts- und Bewegungskursen, Vortragsabenden, Seniorennachmittagen bietet das Mehrgenerationenhaus auch die Möglichkeit, themenorientierte überörtliche Sprechstunden anzubieten.  So ist hier auch die Anlaufstelle des Präventionsrates eingerichtet.  Ratsuchende Eltern haben die Möglichkeit, sich bei Sorgen und Problemen rund um die Erziehungsaufgabe oder die Entwicklung der Kinder kostenfrei an die Ansprechpartnerin bei der Anlaufstelle des Präventionsrates Oberer Rheingau zu wenden. 

Auch Integrationslotsen sind im Mehrgenerationenhaus tätig, ehrenamtliche Helfer, die Migranten Wege in die Stadtverwaltung und zu Behörden im Rheingaustädtchen weisen. Ebenso ist das Ehrenamtsbüro der Stadt Eltville im Haus angesiedelt, bei dem Angebote und Nachfragen für ehrenamtliche Arbeit angenommen werden. 

Eltville hat sich auch am hessischen Landesprogramm „Engagement-Lotsen“ beteiligt. Die ehrenamtlich ausgebildeten Lotsen sind hier beim Aufbau des Ehrenamtsbüros beteiligt. Sie initiieren aber auch in Abstimmung mit anderen sozialen Einrichtungen und Trägern, wie dem Mehrgenerationenhaus, dem Seniorennetzwerk, dem VDK und der Stadt Projekte im Bereich des Ehrenamts.

 

Eine Bücherstadt

Eltville fördert nicht nur Bürgerengagement bei Familien und Soziales. Die Stadt gilt als eine Wiegenstadt des Buchdrucks auch als kulturelles Aushängeschild im Rheingau. Schon zu Lebzeiten von Gutenberg hat die Schwarze Kunst hier ihren Einzug gehalten. In Eltville hat der Erfinder des modernen Buchdrucks mit beweglichen Lettern auch seine einzige Ehrung zu Lebzeiten erfahren. Kurfürst Adolf von Nassau ernannte Johannes Gutenberg 1465 zu seinem Hofmann und billigte ihm eine Leibrente zu. Im Eltviller Burgturm erinnert heute noch eine Gutenberggedenkstätte an die bahnbrechende Erfindung des Meisters. Nicht nur wegen Gutenberg ist das Thema der Literatur und der Leseförderung in Eltville ganz groß geschrieben, die in der Eltviller Mediathek beheimatet ist. Schon Tradition hat ein Lesefest im Herbst, das für Groß und Klein attraktive Programme bietet. In diesem Jahr ging es um Motive und Figuren aus Otfried Preußlers Geschichten. Um Räuber Hotzenplotz und die kleine Hexe drehte sich auch eine vielbesuchte Ausstellung zu Ehren von Preußler.  

 

Ein Bürgerfest in der Burg

Neben der Vermittlung von ehrenamtlichen Tätigkeiten, der Qualifizierung der Ehrenamtlichen, den Workshops für Vereine und den vielen Projekten ist Bürgermeister Patrick Kunkel auch die Anerkennung des Engagements ein wichtiges Anliegen. Dies geschieht in zwei Richtungen. Zum einen gilt es Unternehmen, die in Eltville ansässig sind, als Partner der Stadt zu gewinnen und das Engagement der Unternehmerinnen und Unternehmer zu würdigen. Zum anderen bieten Veranstaltungen immer wieder eine Gelegenheit, bei der sich Aktive und ihre Organisationen in der Öffentlichkeit präsentieren können. 

So veranstaltet die Stadt alle zwei Jahre Sport- und Gesundheitstage und volksnahe Veranstaltungen wie den Eltviller Familienlauf. Ein geplanter Ehrenamtstag in der Burg bietet  die Möglichkeit, ehrenamtlich Engagierten eine positive Rückmeldung für ihren Einsatz zu geben. Für den Bürgermeister ist ein Grund dieser breit gefächerten Ehrenamtsförderung sicher auch der Blick in die Zukunft der Familienstadt : Eltville soll eine attraktive Stadt bleiben, nicht nur für Touristen. Die Menschen sollen sich hier wohlfühlen und miteinander ins Gespräch kommen. Gerade in Zeiten der neuen Kommunikationsmöglichkeiten mit den sozialen Medien ist es wichtig, reale Begegnungen zu ermöglichen und Jung und Alt im Engagement für die eigene Stadt zu verbinden. Dies ist auch eine Anerkennung für die Kommune selbst.